Juli 2026

Zinsbarometer: Banken erwarten steigende Sparzinsen bis Jahresende

biallo befragt regelmäßig die relevanten deutschen Tages- und Festgeld-Anbieter zur erwarteten Zinsentwicklung. Das aktuelle Zinsbarometer zeigt: Bis Ende 2026 überwiegt die Erwartung steigender Sparzinsen, für das erste Halbjahr 2027 kippt das Stimmungsbild in den neutralen Bereich.

Das Stimmungsbild im Überblick

Für den weiteren Jahresverlauf 2026 rechnen die befragten Institute tendenziell mit weiter steigenden Zinsen: 7 der abgegebenen Einschätzungen lauten "steigend", 5 "gleichbleibend", keine auf "sinkend". Für das erste Halbjahr 2027 verschiebt sich das Bild deutlich in den neutralen Bereich. 11 Häuser erwarten gleichbleibende Zinsen, kein einziges noch steigende und eines bereits sinkende. Der Zinsgipfel erscheint damit absehbar.

Das Barometer verdichtet die qualitativen Bank-Einschätzungen zu einem quantitativen Indikator. Der Zeigerausschlag ergibt sich aus dem Anteil "steigend" minus dem Anteil "sinkend" (ohne Enthaltungen). Die Auswahl bildet die Anbieterstruktur des Marktes ab, von großen Sparkassen (Haspa, Kreissparkasse Köln) über Genossenschaftsbanken (BBBank, Berliner Volksbank, Frankfurter Volksbank) und Filialbanken (Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Santander) bis zu Direktbanken (ING, Volkswagen Bank, Consorsbank, Meine Bank, Chase).

Zwei Treiber prägen den Markt: Wettbewerb und Geopolitik

Neben den EZB-Leitzinsen und den Erwartungen an deren Entwicklung nennen die befragten Institute derzeit vor allem zwei außergewöhnliche Einflussfaktoren.

Geopolitik und Energiepreise. Internationale Konflikte und Handelsstreitigkeiten erhöhen die Unsicherheit an den Finanzmärkten und wirken auf die Zinserwartungen, so die Einordnung der HypoVereinsbank. Als konkreter Inflationstreiber gilt vor allem der Iran-Konflikt und dessen Wirkung auf die Energiepreise. Die Haspa verweist dabei auf zwei offene Fragen: die Stabilität des Abkommens zur Öffnung der Straße von Hormus sowie mögliche Zweitrundeneffekte, also die Übertragung des Energiepreisschocks auf andere Güter, Dienstleistungen und Löhne.

Verschärfter Wettbewerb. Der Markteintritt der zu J.P. Morgan gehörenden Marke Chase bringt nach Einschätzung mehrerer Häuser zusätzliche Dynamik. Jan Schildbach (Deutsche Bank Research) spricht von "steigendem Wettbewerb durch Markteintritt ausländischer Banken". Auch Meine Bank (Volksbank Mittelhessen) bestätigt einen merklichen Einfluss neuer Wettbewerber, die kurzfristig Bewegung in den Markt bringen.

Prognose-Unsicherheit bleibt hoch

Die Institute betonen die schwierige Vorhersagbarkeit. Die ING verweist darauf, dass die EZB Zinserhöhungen bei nachlassender Inflation zügig zurücknehmen könnte, mit entsprechender Wirkung auf die Sparzinsen. Die Volkswagen Bank enthielt sich einer Prognose vollständig, da sich die Entwicklung unter den aktuellen volatilen Rahmenbedingungen nicht seriös voraussagen lasse.

Bemerkenswert für die Produktseite: Der Zinsvorsprung langer gegenüber kurzen Laufzeiten ist zuletzt gesunken, wie der biallo-Index zeigt. Ein Hinweis darauf, dass die Häuser die Aussicht auf ein baldiges Ende des Anstiegs bereits in der Konditionsgestaltung berücksichtigen.

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Als teilnehmendes Institut fließt Ihre Einschätzung in das Zinsbarometer ein, ein Marktindikator, der regelmäßig von Fachmedien und der Branche aufgegriffen wird. Sie positionieren Ihr Haus als Stimme im Markt und erhalten die vollständige Auswertung jeder Erhebung direkt per E-Mail.

Zur Methodik

biallo hat zwischen dem 2. und 9. Juli 2026 rund 20 deutsche Banken zu ihrer Einschätzung der Sparzinsentwicklung und den wichtigsten außergewöhnlichen Einflussfaktoren befragt. Die Auswahl erfolgte nach qualitativen (Marktbedeutung) und quantitativen Kriterien (Bilanzsumme). Die 13 eingegangenen Einschätzungen wurden für das Zinsbarometer quantitativ ausgewertet.